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Selbstmitgefühl als Lebensretter

Mein Name ist Annegret Corsing, ich bin 43 Jahre alt und komme aus dem Raum Berlin-Brandenburg – ich lebe auf dem Land und arbeite teilweise in Berlin und viel digital.

Annegret Corsing – Erfahrungsexpertin und Resilienztrainerin

Ich arbeite als Beraterin, Trainerin und Konzept-Entwicklerin zum Thema Resilienz und Peer-Ansatz. Das war nicht immer so: Ursprünglich komme ich auch dem IT-Bereich, war als Software-Entwicklerin und später in der Qualitätssicherung größerer Web-Anwendungen tätig.
 Heute kommt mir meine technische Vergangenheit zugute, da ich mich u.a. um die Webseite der erfahrungsexpert*innen kümmere und mir das auch noch immer Freude macht.

Was macht mich zur Erfahrungsexpertin?

Schon als junge Erwachsene hatte ich häufig psychische Probleme, depressive Episoden, Essstörungen – später entwickelte ich zusätzlich eine Angststörung und bekam die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS oder BPD).
Ich kenne mich aus mit seelischen Krisen, das kann ich so sagen. Ich hatte Probleme insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich und Beziehungen, was sich natürlich auf mein gesamtes Leben auswirkte.

Heute fühle ich mich seelisch gesund. Es bedeutet für mich nicht, dass ich völlig frei von Symptomatik bin. Ich kenne jedoch mich und meine Baustellen inzwischen gut und weiß, wie ich damit umgehen kann. Ich würde heute (2022) keine der o.g. Diagnosen mehr erfüllen oder bekommen.

Und all die Erfahrungen aus den vergangenen 20 Jahren – die Kompetenzen, das Wissen um die Themen Emotionsregulation, Krisenmanagement und Stressbewältigung, Selbstfürsorge, die Notwendigkeit für Achtsamkeit und Selbstmitgefühl – machen mich zur Erfahrungsexpertin.

Wie bin ich mit Krisen und herausfordernden Situationen im Leben umgegangen?

Was wie ein schlimmes Schicksal klingt (insbesondere die Diagnose Borderline erleben viele noch heute als teils stark stigmatisiert), war für mich jedoch der Wegweiser in einen neuen Weg. Ich nahm es zum Anlass, etwas zu ändern, arbeitete lange und hart an mir selbst.

Ich denke, ich besaß eine gewisse angeborene Resilienz, denn ich habe immer weitergemacht, scheinbar immer (wenn auch vielleicht unbewusst, als Kind z.B.) daran geglaubt, das (alles) überstehen zu können. Ich bin immer wieder aufgestanden, dran geblieben, auch wenn ich sehr oft auch fast keine Kraft mehr hatte und fast aufgegeben hätte.

Was tue ich bei „die erfahrungsexpert*innen“?

Ich bin die Gründerin und „halte den Laden zusammen“ würde ich sagen. Ich habe gern den Überblick über das große Ganze und behalte auch im Kontext Projekte und Organisation grundsätzlich den Überblick.

2018 hatte ich die Idee, nicht nur Menschen durch das Teilen von Erfahrungen zu begleiten und zu unterstützen, sondern gleichzeitig das Berufsbild in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und auch in gewisser Weise zu professionalisieren.

Ich freue mich, wenn ich sehe, dass sich immer mehr Menschen dazu entschließen, haupt- oder nebenberuflich diesen Weg einzuschlagen und dass wir uns nun hier miteinander vernetzen und in unseren Kompetenzen ergänzen, bestärken, zusammenarbeiten und Projekte anstoßen.

Weiterhin bin ich Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der gemeinnützigen Gesellschaft mit der wir seit 2018 bereits einige Projekte im Bereich Prävention und Begleitung von Menschen in seelischen Krisen umgesetzt und auch Auszeichnungen und Anerkennung erhalten haben.

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Was sind meine Herzensthemen? Wofür setze ich mich ein? Was treibt mein Engagement bei „die erfahrungsexpert*innen“ an?

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sind meine Steckenpferde im Bereich Resilienzförderung. Sie sind deshalb die Hauptzutaten für die von mir entwickelten Kurs-„Rezepte“ RASMUS und RAMSES, zwei Trainingsprogramme für die individuelle Resilienz – eines präventiv und eines für Menschen auf dem Weg aus der Krise.

Ich setze mich dafür ein, dass Menschen erkennen, was es heißt, Verantwortung für sich und die eigenen Gefühle zu übernehmen und welch enormen Einfluss das auf die eigene seelische Gesundheit und das Wohlbefinden haben kann. Wir sind nicht in der Opferrolle gefangen – nicht Opfer der Umstände, nicht anderer Menschen oder einer Erkrankung. Wir haben Einfluss auf unseren individuellen Zustand – und das ist doch eine irre tolle Nachricht!

Natürlich treibt mich auch an, den „Stempel“ abzuwaschen, den Menschen mit einer psychischen Erkrankung in unserer Gesellschaft dennoch bis heute schnell von anderen erhalten. Die Corona-Pandemie hat viel dazu beigetragen, dass das Thema sehr viel stärker in den gesellschaftlichen Fokus rückte und das ist gut! (Wenn auch gleichzeitig der Anlass dafür war, dass es so vielen Menschen, insbesondere auch Kindern und Jugendlichen so schlecht ging – es war einfach überdeutlich und nicht mehr zu ignorieren, ein gesellschaftliches Problem, welches wir grundsätzlich haben, denke ich.)
Dennoch: Es gerät etwas ins Rollen in der Perspektive auf seelische Leiden und Erkrankungen und dafür möchte ich weiter einsetzen.

Was ist meine Resilienz-Superkraft? Welcher Aspekt von Resilienz ist besonders wichtig für mich?

Meine Resilienz-Superkraft ist es, Resilienz-„Rezepte“ aus den Zutaten Achtsamkeit und Selbstmitgefühl zu entwickeln. Ich habe viel Freude daran, die Zutaten (Resilienzfaktoren, Methoden, Übungen, neue Erkenntnisse usw.) zu nehmen und sie in immer neuer Form zu mischen und neu zusammenzustellen, zum Beispiel in Form von Workshops, Kursen, Trainings usw.

Die wichtigsten Zutaten, die jedoch niemals fehlen: Natürlich sind es Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Der bewusste Umgang mit mir selbst, mich kennenzulernen und mir selbst die beste Freundin zu sein, ganz besonders wenn es mir so garnicht gut geht: es waren für mich die Schlüssel zu einem gesunden Umgang, zu meiner Genesung.

Der schönste Nebeneffekt ist: je mehr ich mich besser kennnelernte, nett und mitfühlend mit mir selbst wurde, desto leichter wurde auch der Umgang mit anderen Menschen. Mein Mitgefühl stieg und ich kam zu dem (Selbst)Verständnis, dass alle Menschen nur versuchen, irgendwie mit mal mehr mal weniger großen inneren oder äußeren Herausforderungen zurechtzukommen – und das gelingt mal mehr, mal weniger gut.

Achtsamkeit und Mitgefühl halfen mir, meine Beziehung zu mir selbst zu hinterfragen und zu verändern und bilden für mich die Grundlage, um Resilienz zu entwickeln und zu stärken.

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