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Resilienz-ABC: Peer-Beratung

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Was ist Peer-Beratung?

Peer-Beratung ist eine Beratung durch Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden.

Das Wort Peer (engl: Gleichrangige*r, Ebenbürtige*r) steht im psychosozialen Kontext für Menschen, die eine psychische Erkrankung erlebt, durchlebt und einen stabilen Umgang damit gelernt haben. Bei einer Peer-Beratung handelt es sich um eine besondere Form der psychosozialen oder psychologischen Beratung, in der Betroffene von psychischen Erkrankungen andere Betroffene oder auch deren Angehörige beraten und unterstützen und damit ein Angebot auf Augenhöhe schaffen.

Peer-Beratung wird nach dem Ursprung aus dem Englisch-sprachigen auch Peer-Counseling genannt. Der Ansatz stammt historisch aus der Suchtprävention, in der man auf der Suche nach neuen Behandlungsansätzen für Betroffene war. In den USA entstanden erste Interventionen unter Einbeziehung von Peers zur Prävention von Alkohol- und Drogenmissbrauch an High Schools.

Wie läuft eine Peer-Beratung ab?

Eine Peer-Beratung läuft in einem ähnlichen Rahmen wie andere Beratungen ab. Meist dauert eine Beratung 50-60 Minuten und findet im Einzelgespräch statt.


Peer-Beratung geht von dem Prinzip aus, dass die Lösung des Problems bereits in den Ratsuchenden vorhanden ist und kann in dem Prozess der Lösungsfindung unterstützen und begleiten. Die Peer-Berater*innen hören zu und können den Ratsuchenden Zeit, Unterstützung und Akzeptanz geben. Sie berichten dabei insbesondere von ihren eigenen Erfahrungen und können so Hemmschwellen bei den Ratsuchenden ab- und Vertrauen aufbauen.

Zu welchen Themen kann Peer-Beratung unterstützen?

Eine Peer-Beratung kann grundsätzlich zu allen Themen stattfinden, in denen jemand Erfahrung hat. Das ist nicht auf den psychosozialen Bereich beschränkt, bspw. gibt es Peer-Beratung auch für Menschen mit körperlichen Behinderungen oder chronischen Erkrankungen.

Eine Peer-Beratung zu seelischen Erkrankungen kann zu folgenden Themen stattfinden:

  • Umgang mit bzw. Akzeptanz von Diagnosen
  • Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe über
  • Symptomatiken
  • Medikamenteneinnahme
  • Klinikaufenthalt
  • Therapiemöglichkeiten
  • Genesung und Genesungsbegleitung
  • Rückfallprophylaxe
  • Informationen zu den vorhandenen Selbsthilfe- und Versorgungsstrukturen
  • Vermittlung von Selbsthilfe
  • emotionaler Beistand, Zuhören und Mitgefühl
  • Beratung für Angehörige von Betroffenen

Welche Vorteile hat eine Peer-Beratung?

In wissenschaftlichen Untersuchungen konnten zahlreiche Vorteile einer Beratung durch Erfahrene mit psychischen Erkrankungen nachgewiesen werden. Es konnten dagegen keine negativen Effekte für Nutzerinnen und Nutzer nachgewiesen werden.

Zu den wichtigsten positiven Effekten für Nutzer*innen zählen (Kozel et. al, 2010):

  • Zunahme der Lebensqualität und Zufriedenheit
  • Abnahme von Drogen- und Alkoholkonsum
  • Zunahme von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • mehr wertschätzende soziale Unterstützung und mehr persönliche Kontakte
  • Rückgang der Inanspruchnahme psychiatrischer Behandlungen
  • Abnahme klinischer Symptome
  • mehr Krisenstabilisierung und weniger Hospitalisation (stationäre Aufnahme)

Kann Peer-Beratung eine Therapie ersetzen?

Wichtig ist: Peer-Beratung ersetzt keine therapeutische oder ärztliche Behandlung!
 Sie kann gleichzeitig für Betroffene und Angehörige eine wertvolle ergänzende Stütze zur professionellen Behandlung sein.

Quellen:

  1. Kozel, B., Winter, A., Abderhalden, C. (2010). Die Wirksamkeit der Peer-Unterstützung bei psychischen Erkrankungen, DOI 10.1055/s-0030-1268793 Psych Pflege 2010; 16: 324-327
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