[flexy_breadcrumb]

Depression in der Familie: Ein selten intimer Dokumentarfilm über Angehörige

Gastbeitrag von Stefan Czimmek
Regisseur/ Filmverantwortlicher

Dokumentarfilmemacher Stefan Czimmek hat einen sehr persönlichen Film über die Depression seines Vaters und den Auswirkungen auf die siebenköpfige Familie veröffentlicht:
“SIEBEN SEELEN – Ringen um Familie”:
Eine siebenköpfige Familie öffnet sich zu ihren traumatischen Erlebnissen während der zehnjährigen Depression des Vaters. Ungeschminkt und mit einer Prise Humor, macht sich jedes Familienmitglied emotional vor der Kamera nackig. Gemeinsam konfrontieren sie sich mit aktuellen Konflikten, äußern schmerzhafte Wahrheiten, reisen in die Vergangenheit und versuchen als Familie wieder zueinanderzufinden.

Inhalt

Depression in der Familie

Als mein Vater während unserer Kindheit in eine zehnjährige Depression fiel, wusste ich
fast nichts über diese Krankheit. Für meine drei jüngeren Geschwister brach damals über
Nacht eine Welt zusammen — und nicht nur für sie. Auch meine Mutter stand plötzlich vor
einer Herausforderung, die sie immer wieder an ihre Belastungsgrenzen trieb.

Ich als ältestes von fünf Kindern bin gemeinsam mit meinem Bruder im selben Jahr
ausgezogen. Wir haben diese dramatische Zeit zuhause nicht so intensiv erlebt. Ich
bekam von all dem wenig mit — und so richtig interessierte es mich damals auch nicht. Bis
ich viele Jahre später merkte, wie sehr manche meiner jüngeren Geschwister noch immer
darunter leiden und wie schwer diese Zeit für sie gewesen ist.

Ich war vor den Kopf gestoßen und entwickelte Schuldgefühle. Hätte ich früher mehr für
meine Geschwister da sein müssen? Hätte ich etwas tun können? Natürlich war mir klar,
dass ich keine Verantwortung trage — aber so einfach konnte ich mich von meinem
Verantwortungsgefühl nicht lösen. Vor allem, weil mir immer klarer wurde, dass der
Schmerz von damals bis heute präsent ist.

Wie aus der Corona-Zeit ein Familienfilm wurde

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie brachen mir als freiberuflichem Filmemacher und Kameramann viele Jobs weg. Ich überlegte, was ich stattdessen tun könnte, und begann, einen Film über diese Zeit zu drehen — und nicht nur über damals, sondern auch über uns als Familie heute.

Über fünf Jahre ist so ein sehr intimes Porträt meiner Familie entstanden, in dem alle zu Wort kommen. Der Film heißt „Sieben Seelen – Ringen um Familie“ und ist auf der Kino-Plattform Kino on Demand zu sehen. In dem Film werden alte Verletzungen benannt, Missverständnisse aufgedeckt und schmerzhafte Wahrheiten ausgesprochen — alles mit einer Prise Humor, die für uns als Familie immer dazugehört hat.

Was die Auseinandersetzung mit der Depression in unserer Familie bewirkt hat

Ohne zu sehr in die Details zu gehen: Die Produktion und die Auseinandersetzung mit offenen Wunden haben in unserer Familie einiges bewegt. Da wir alle in verschiedenen Städten leben, hat der Film uns mehr Gelegenheiten geschaffen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das war oft schwer und anstrengend. Bereut haben wir es nicht.

Denn neben all den Entwicklungen ist ein berührendes Werk entstanden, das Betroffene, Angehörige, Fachleute und Interessierte zum Reflektieren und Nachdenken anregen kann. Depression kann für Betroffene und ihr Umfeld unglaublich belastend sein. Es ist keine Krankheit, bei der ein Pflaster reicht — Therapien brauchen Zeit.
Das Gute: In Deutschland gibt es viele Anlaufstellen und Möglichkeiten, sich der Krankheit zu stellen,
etwa die Deutsche Depressionshilfe oder das bundesweite Info-Telefon Depression (Links dazu unten).

Meine Hoffnung ist, dass der Film einen Beitrag dazu leistet, Depression in der Gesellschaft
weniger zu einem Tabu zu machen, und Familien inspiriert, sich offen mit der Krankheit
auseinanderzusetzen.

Denn Depression zählt weltweit zu den häufigsten psychischen Krankheiten und betrifft in
Deutschland im Laufe eines Lebens jede fünfte bis sechste Person. Frauen sind dabei
häufiger betroffen als Männer. Und: Hinter jeder Diagnose stehen auch immer Angehörige,
deren Leben sich mitverändert.

Film ansehen und Termine finden

Du möchtest den Film bei einem öffentlichen Event erleben? Auf der Filmwebseite findest du alle bestätigten Spielorte. Bei einigen Aufführungen bin ich als Regisseur dabei — und wo nicht, erwartet dich in der Regel ein ansprechendes Rahmenprogramm.

Kontakt

Stefan Czimmek
Regisseur/ Filmverantwortlicher
Kontakt

Hilfe & Information zum Umgang mit der Erkrankung bietet die Deutsche Depressionshilfe:

Webseite Deutsche Depressionshilfe
Angebot Info-Telefon Depression

Hinweis: Eine individuelle Beratung oder Behandlung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten ersetzt ein Gespräch nicht. In akuten Krisen wende dich bitte an deinen Arzt, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notruf unter der Telefonnummer 112.

Schreibe einen Kommentar